Die erste Begegnung mit meiner inneren Autorität
Ich stand in einem großen Raum, neben mir der Leiter der Familienaufstellung und hinter mir ein großer Mann. In meinem Rücken fühlte ich den eiskalten Schauer, der mir kam. Er verkörperte meine innere Autorität. Es war das erste Mal, dass ich mich überhaupt mit diesem Thema wirklich bewusst befasst habe. Autorität war für mich bisher immer mit strengen Menschen verwoben, die lautstark ihre Meinung äußern.
Was Autorität wirklich ist und wie wichtig sie für uns alle ist, wurde mir erst in der Aufstellung wirklich bewusst. Der Mann zog einen unsichtbaren Dolch aus meinem Rücken und seinem Herzen, gemeinsam verbrannten wir diese in einem imaginären Feuer. Dieses starke Symbol trage ich heute noch in meinem Herzen und empfinde es als so wertvoll.
Seit ich bewusst mir diese Angst vor Autorität anschaue – oder auch meine rebellischen Anteile darin –, merke ich erst, wie tief diese Wunde geht. Wie belegt dieses Wort in mir ist und wie sehr ich auf äußere Führung jeder Art reagiere.
Gesellschaftliche Prägung und verlorene innere Führung
Ja, ich komme aus einem Land, das wirklich eine starke Geschichte hat in Bezug auf Führung, habe mehr als zwei Jahrzehnte Institutionen besucht, die die innere Führung eines Menschen komplett ablehnen und alles auf die Autorität im Außen legen. Diese Art von Autorität dient jedoch oft nicht dem Leben, sondern verhindert stark den eigenen kreativen Ausdruck.
Jede Pflanze, jeder Baum, jedes Lebewesen dieser Erde bringt seinen eigenen inneren Bauplan mit – und so auch jedes Kind. Die einen sind an einigen Stellen schneller und an anderen langsamer. Die einen haben mehr technisches Interesse, die anderen sprachlich, künstlerisch, musisch oder sportlich. Unser Schulsystem aber nimmt kaum Rücksicht auf diesen inneren Bauplan und setzt stattdessen auf einen äußeren, den schulischen Lehrplan. In diesem ist jedes Kind dazu angehalten, zur gleichen Zeit denselben Stoff zu lernen. Gefördert wird dabei vor allem das technische und sprachliche Verständnis, während der künstlerische und körperliche Ausdruck stark nach hinten geschoben wird.
Ein Kind ist jedoch Kreativität pur, es will sich ausdrücken – mit allen Sinnen und dem ganzen Körper. Das ist es, was ihm seine innere Autorität, seine innere Führung, ständig sagt. Wir alle wissen, wie anstrengend es sein kann, ein Kind von seiner inneren Überzeugung abzubringen und dorthin, wo wir es gerne haben wollen.
Doch wissen wir auch, wie falsch das manchmal ist? Ich glaube, die wenigsten Menschen sind sich wirklich bewusst, was es bedeutet, ein Kind aus der Liebe heraus zu führen. Nämlich so, dass es sich irgendwann selbst führen kann und nicht auf Autoritäten im Außen angewiesen ist – diesen aber den nötigen Respekt entgegenbringt.
Innere Autorität als Schlüssel für die neue Erde
Schon Maria Montessori hat das Anfang des 20. Jahrhunderts in ihren Büchern und Einrichtungen verbreitet.
„Hilf mir, es selbst zu tun“ und „Nicht wir müssen das Kind der Umgebung anpassen, sondern die Umgebung sollte sich dem Kind anpassen“ sind dabei zwei sehr gerne zitierte Sätze von ihr. Ich persönlich liebe sie, sie fassen so einfach zusammen, was ein Kind wirklich braucht.
Vielleicht fragst du dich nun, was dieses Kind mit dir zu tun hat. Wir alle waren einmal diese Kinder, und nur sehr wenige durften eine wirklich freie Kindheit erleben, in der sie ihre innere Autorität voll ausbilden konnten. Die meisten von uns haben eben gelernt, auf äußere Führung zu setzen, und leben heute als Angestellte ein sehr angepasstes Leben – oder als Rebellen eine Selbstständigkeit, in der sie sich selbst knechten.
Klingt brutal? Ist es auch!
Die wenigsten Menschen trauen sich überhaupt, an diese Stelle zu blicken – und gleichzeitig ist es sie, die uns die Freiheit schenkt, endlich uns selbst zu leben. Den Frieden mit der Autorität. So viel höre ich in letzter Zeit von der neuen Welt, der neuen Erde, dem Paradigmenwechsel, einer neuen Epoche. Für mich bedeutet es, dass wir genau da ansetzen – dass wir unsere äußere Autorität durch eine gesunde innere ersetzen.
Mandala-Malen als Übung für Selbstführung
Wenn ich noch in dem alten Bild lebe, dann lebe ich von außen nach innen. Beim Mandala-Malen zeichne ich immer von innen nach außen. Ich starte mit der Mitte und bewege mich dann – ganz geführt von meiner inneren Autorität – nach außen.
Ich zeichne also ein Stück neue Welt, wenn ich bei dem Bild bleiben will. Ich lerne auf ganz spielerische Art und Weise diese andere Art des eigenen Ausdrucks. Ich übe auf einem Blatt Papier (oder worauf auch immer du gerne zeichnest) und mit einem Stift eine ganze Lebenseinstellung.
Ich selbst zeichne jetzt seit fast acht Jahren Mandalas, und ich kann wirklich sagen, dass es mein Leben in der Tiefe verändert hat. Meine innere Autorität hat meistens die Führung übernommen, und ich sehe immer mehr, wo ich noch an den Autoritäten im Außen festhänge.
Eine neue Form von Autorität verkörpern
Und nein, ich will nicht die äußere Autorität abschaffen – ganz im Gegenteil. Ich wünsche mir, dass wir alle diese Autorität verkörpern. Aber eben ganz natürlich mit unserem Körper darstellen, ohne Härte, Strafen, Drohungen – sondern mit einer weichen, zärtlichen Liebe, die alles umfasst. Das passiert nämlich, wenn wir wirklich in unserer inneren Autorität verankert sind. Dann können wir liebevoll die eigenen Grenzen halten und aus einer Präsenz heraus das Leben führen – in einer dienenden Haltung.
Und nochmal nein, ich selbst schaffe das auch nicht immer. Es ist natürlich ein Ideal, eine perfekte Vorstellung von etwas, wovon ich überzeugt bin, dass es eines Tages die Erde bevölkern wird. Solange wir da noch nicht sind, sind wir alle noch Übende – und das ist völlig ok.
Schlimm fände ich es jedoch, wenn wir nicht üben würden. Mit Tanz, mit Körperausdruck, mit Gestalttherapie – und natürlich mit Malen, wie in meinem Fall. Was auch immer du wählst für deine persönliche Übung, ich mag dich einladen, einfach anzufangen damit. Lerne dich kennen, lerne deinen Körper kennen, und beginne, Praktiken in deinen Tag einzubauen, an denen du dich von den alten Autoritäten verabschiedest und dich ganz deiner inneren Autorität zuwendest.
Kleine Schritte in eine neue Welt
Vielleicht sagst du jetzt: Dafür habe ich gar keine Zeit!
Doch du wirst erstaunt sein, wie viel Energie auf einmal frei wird, wenn du diesen Weg wählst. Ungeahnte Ressourcen werden frei, und manches Mal fallen auch andere Aktivitäten weg, weil sie auf einmal nicht mehr wichtig sind.
Außerdem ist es eine der schönsten Beschäftigungen, die ich kenne. Wenn der Zirkel über das Blatt kreist, meine Hände wie magisch geführt wunderschöne Muster kreieren und ich tief in das Blatt sinke, dann entspannt sich mein System so unendlich. Ich werde weit, alles, was mich gestört hat, wird auf einmal unwichtig, und ich komme wirklich ganz im Moment an. Es ist eine wunderschöne Art und Weise, die neue Erde zu erkunden. Ich liebe sie.
Falls du jetzt auch Lust hast, es auszuprobieren, dann melde dich gerne für meinen Newsletter an und probiere den Zehn-Minuten-Mandala-Kurs. Es ist wirklich ganz einfach, du brauchst keine Vorkenntnisse und musst auch echt nicht malen können.